Im Entwicklungsprojekt Supply Chain Execution arbeiten Logistik- und Industrieunternehmen gemeinsam an der ersten vollständig vernetzten Silicon Economy-Plattform – für die Partner auch eine Blaupause für neue Formen der Zusammenarbeit. 

Vier Unternehmen, vier Nutzenperspektiven, aber ein klares Commitment zur gemeinschaftlichen Entwicklung von Hard- und Software in der Silicon Economy: Co-Creation wird im Projekt Supply Chain Execution großgeschrieben. Zu den Projektpartnern für den Use-Case aus dem C-Teile-Management gehören der Sensorhersteller Sick, die Würth Industrie Service, Großhändler für Produkte der Montage- und Befestigungstechnik, die Schenker AG als Logistikdienstleister und die Commerzbank – Unternehmen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten, jedoch verbunden durch eine Lieferkette. 

Klarer Nutzen für jeden Partner

Dass die Optimierung der Lieferkette nur gemeinschaftlich funktionieren kann, davon waren die Partner des Projekts von Anfang an überzeugt: »Co-Creation ist immer dann sinnvoll, wenn jeder der Partner einen klaren Nutzen aus dem Projekt ziehen kann«, sagt Bernd von Rosenberger, Vice President Global Industry Center Logistics Automation, Sick AG (Fotoleiste l.). »In der Praxis zeigt sich, dass mitunter nicht jedes Unternehmen zur selben Zeit die gleichen Ressourcen einbringen kann. Manchmal muss ein Partner vorangehen. Eine gute Moderation von Co-Creation-Projekten zahlt sich dabei aus. Wir können das Vorgehen insgesamt nur empfehlen.«

Ronald Kerekjarto, Key Account Manager, Würth Industrie Services (2. v. l.), schätzt insbesondere, dass sich das Blickfeld durch die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Partnern erweitert: »Die Perspektive der Forschung spielt dabei eine wichtige Rolle: Die Flughöhe der Wissenschaft ist mitunter eine andere, vielleicht höhere als die der Wirtschaft. Aber es gehört dazu, die eigenen Prioritäten mit denen der Partner zu matchen. Das lohnt sich: Die Silicon Economy erlaubt es uns, andere Arbeits- und Denkweisen kennenzulernen und neue Netzwerke aufzubauen.« Das sieht auch Roman Stammes, Business Expert Supply Chain Finance & Innovation, Commerzbank AG (2. v. r.), so: »In dem Projekt arbeiten Logistiker, Sensorhersteller, Schraubenhersteller und eben Finanzdienstleister zusammen. Kein Partner kennt das Geschäft des anderen. Bei der Entwicklung der Dienste lernen wir voneinander und entwickeln ein gemeinsames Verständnis von den Prozessen der Zukunft.«

Von Integration bis Geschäftsmodell

Auf dieser Basis kann jedes Unternehmen seine spezifische Nutzenperspektive verfolgen. Für DB Schenker, den Logistikdienstleister in der Runde, ist es das »ewige Thema der Integration«: »Logistikdienstleister stehen grundsätzlich vor der Herausforderung, alle Beteiligten in einer Lieferkette miteinander zu vernetzen und einen reibungslosen Datenaustausch zu realisieren. Tatsächlich verfügt in der Regel jeder der Beteiligten über sein eigenes System – mit eigenen Referenzen und mit eigenen Informationen», beschreibt Marvin Lamberjohann, Head of Strategic Portfolio Management, Schenker AG (Fotoleiste r.), die aktuelle Situation. »Wir sind dann gefordert, eine übergreifende Plattform bereitzustellen, auf der sämtliche für uns relevanten Informationen aller Beteiligten zusammenlaufen und die Daten ausgetauscht werden können.« Der Zeitaufwand und die Kosten für die damit verbundenen Integrationsprojekte sei jedoch immens. Lamberjohann: »Würden die Systeme aller an einer Supply Chain Beteiligten aber auf derselben Basis laufen und miteinander kompatibel sein, dann wäre das Onboarding ein Kinderspiel. Genau daran arbeiten wir im Projekt.«

Auch die Interessen der anderen Partner kommen im Projekt nicht zu kurz: So geht es der Würth Industrie Services um die Optimierung interner Prozesse. »Im C-Teile-Management sprechen wir über Waren mit einem geringen Wert, wie Schrauben und Mutter, die unsere Lieferanten bei uns anliefern und wir an unseren Kunden weiterliefern. Diese Prozesskette ist teuer. Wenn die Logistikkosten den Materialwert übersteigen, sind die Kunden nicht bereit, das zu bezahlen. Vor diesem Hintergrund entstand die Idee, bestimmte Lieferungen nicht über unser Lager laufen zu lassen, sondern sie outzusourcen. Dann allerdings stellt sich für uns das Problem der Nachverfolgung d.h. wo sind welche Waren wann? Das Projekt Supply Chain Execution ermöglicht uns jetzt jedoch, dieses Thema qualifiziert anzugehen«, so Ronald Kerekjarto von der Würth Industrie Services. 

Sick wiederum setzt direkt auf neue Geschäftsmodelle. Sensoren leisten heute einen entscheidenden Beitrag zur Digitalisierung von Unternehmen. »Als Hersteller von Sensorsystemen können und wollen wir unseren Kunden darüber hinaus nachhaltige und wertvolle digitale Services anbieten«, Bernd von Rosenberger von Sick. Auch die Commerzbank hat die Zukunft fest im Blick: »Mit unserem Engagement im Entwicklungsprojekt Supply Chain Execution wollen wir den Grundstein dafür legen, unseren Kunden sensorbasierte automatische Finanztransaktionen anzubieten – eine wichtige Bezahlmethode der Zukunft. Der Bereich des C-Teile-Managements bietet sich hier als Beispiel und Blaupause an«, so Roman Stammes von der Commerzbank.

Open Source als Beschleuniger

Für alle Beteiligten ist Open Source – das Entwicklungsprinzip der Silicon Economy – ein wichtiger Beschleuniger für die Plattformökonomie der Zukunft: »So aktivieren wir viel mehr Ressourcen für die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien. Unternehmen und Kunden weltweit können an den Lösungen teilhaben und Änderungsvorschläge einreichen. Damit erhalten wir insgesamt bessere und genauere Ergebnisse.«