Auf dem Weg in die Silicon Economy

Der Weg in die Silicon Economy führt über Fach- und Plattformkomponenten. Wie Unternehmen jetzt und in Zukunft von den Open Source-Komponenten profitieren können – eine Übersicht über wichtige Nutzenperspektiven der aktuellen Entwicklungen für eine föderale Plattformökonomie.

 Komponenten für Dienste und Plattformen

Digitale Plattformen sind das Geschäftsmodell des 21. Jahrhunderts, auch und gerade in der Logistik. Mit dem Begriff der Silicon Economy ist nun der Aufbau bzw. die Unterstützung des Aufbaus eines föderalen Plattformen-Ökosystems verbunden: ein Nebeneinander und Miteinander verschiedenster Plattformen, die durch den universellen Einsatz und die Wiederverwendung von Fachkomponenten und Plattformkomponenten – mit den Hardwarekomponenten die zentralen Bausteine der Silicon Economy – verbunden sind bzw. grundsätzlich verbunden werden können.

Sämtliche Bausteine bzw. Komponenten für die dezentrale Plattformökonomie der Zukunft werden derzeit in den Projekten der Silicon Economy auf Open Source-Basis entwickelt. Das Zielbild der Silicon Economy wird sich so Komponente für Komponente vervollständigen. Die Komponenten werden allen interessierten Unternehmen in einem Silicon Economy-Repository frei und kostenlos zur Verfügung stehen.

Die Nutzenperspektiven der Komponenten sind so divers wie die Logistik selbst: Unternehmen können sie zum einen dazu nutzen, betriebsinterne Prozesse zu verbessern und neues Geschäft zu generieren. Zum anderen profitieren sie davon, dass sich durch eine breite Verwendung der Fachkomponenten der Silicon Economy logistische Prozesse de facto vereinheitlichen. Zuletzt – in einer vollständig realisierten Silicon Economy – haben Unternehmen die Chance, ihr Geschäft durch die Verbindung und Vernetzung von Plattformen zu revolutionieren.

Nutzen­perspektive 1

Verbesserung unternehmenseigener Prozesse

»Better Business« und »New Business«

Durch die Nutzung von Fachkomponenten aus der Silicon Economy können Unternehmen bereits im Einsatz befindliche, unternehmenseigene Dienste verbessern und erweitern oder neue Dienste auf der Basis der Fachkomponenten aufbauen. Dabei können eigene IT-Prozesse mit dem »Stand der Technik« abgeglichen sowie Schnittstellen zu Kunden und Dienstleistern vereinheitlicht werden (»Better Business«). Im Ergebnis wird die Integration weiterer Geschäftsbereiche, Landesniederlassungen oder Außenstellen vereinfacht. Gleichzeitig kann das Geschäft weiter ausgebaut, neue Geschäftsmodelle umgesetzt werden (»New Business«).

Ein Unternehmen setzt bereits eine Plattform mit einem kommerziellen Dienst zur Ankunftsprognose für LKW ein. Zur Ermittlung von Routenoptionen nutzte das Unternehmen in diesem Dienst bislang Geokoordinaten auf Basis eines kommerziellen Kartenanbieters. Eine in der Silicon Economy entwickelte Geocoding-Fachkomponente bietet nun jedoch die Möglichkeit, die Routen auf Basis von Open StreetMap zu ermitteln, das in bestimmten Bereichen eine höhere Detailtiefe bietet.

Ein Unternehmen setzt bereits eine Plattform mit einem kommerziellen Dienst zum digitalen Ladungsträgertausch ein. In der Silicon Economy stehen nun passende Open Source-Fachkomponenten zur Verfügung – etwa ein auf Künstlicher Intelligenz basierender Zählmechanismus. Diese können nun einfach in den bereits bestehenden Dienst integriert werden.

Für die logistischen Grundfunktionen eines Diensts zum Transportmanagement kann ein Unternehmen Silicon Economy-Fachkomponenten nutzen, während es individuelle Funktionen selbst entwickelt. Diese Vorgehensweise kommt zum einen bei Konzernen und großen Unternehmen mit eigener IT-Abteilung in Betracht. Zum anderen können insbesondere auch Start-ups davon profitieren, dass sie Fachkomponenten skaliert integrieren.

Im Ergebnis wird es auch weiterhin unterschiedliche Systeme für vergleichbare Lösungen geben. Doch durch eine steigende Nutzung der Fachkomponenten der Silicon Economy nähert sich die Basis der Lösungen an – ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Interoperabilität und dem Neben- und Miteinander von Plattformen.

Nutzen­perspektive 2

Vereinheitlichung logistischer Prozesse

De facto-Standardisierung

Logistikunternehmen bieten heute viele Dienste an, um eine allgemeine Erwartungshaltung des Markts hinsichtlich bestimmter Grundfunktionen bzw. Leistungen zu bedienen. In der Silicon Economy werden diese Dienste als »Commodity-Services« bezeichnet. Das heißt: Diese Dienste stellen kein wirtschaftliches bzw. intellektuelles (marktdifferenzierendes) Alleinstellungsmerkmal eines Unternehmens dar. Trotzdem geht ihre Entwicklung für die Unternehmen mit einem hohen Entwicklungsaufwand und -risiko und entsprechenden Kosten einher. Beispiele dafür sind Dienstleistungen wie das Tracking von Gütern, die Koordinierung von Aufträgen, die papierlose Dokumentation zum Ladungsträgertausch, das Erzeugen und Verwalten von elektronischen Frachtpapieren oder das Auftragsmanagement für Intralogistiktechnik. Tatsächlich gibt es für solche »Commodity-Services« heute oft noch keine einheitlichen und anerkannten Softwarelösungen am Markt. Vielmehr setzt jedes Unternehmen andere Software ein, entwickelt von der eigenen IT-Abteilung oder einem Softwareunternehmen. Die Akzeptanz solcher Einzellösungen ist in der Logistik bislang kaum vorhanden.

Da solche »Commodity-Services« grundsätzlich von einem breiten Anwenderkreis genutzt werden können, eignen sie sich besonders für die gemeinschaftliche Open Source-Entwicklung:

In einer möglichst großen Gruppe (Industriekonsortium/Community) lassen sich Aufwände und Risiken für die Entwicklung der Dienste teilen. Je höher das Commitment von Anwendern ist, umso höher ist das Potenzial der schnellen Verbreitung und Anwendung.

Durch den breiten Einsatz von Silicon Economy-Diensten wird eine de facto-Standardisierung geschaffen. Je größer die Gruppe der Entwickler und insbesondere der Nutzer der Dienste ist, desto näher ist man an einer de facto-Standardisierung.

Im Ergebnis leistet dieses Vorgehen im Sinne des »bottom-up«-Prinzips einen wichtigen Beitrag zur notwendigen Einigung der Logistik-Community in Bezug auf eine pragmatische Standardisierung von Prozessen. So werden Automatisierungspotenziale in der Orchestrierung von Dienstleistungen auf Plattformen sowie bei der Anbahnung, dem Vertragsabschluss, der Abrechnung und der Dokumentation von logistischen Dienstleistungen ermöglicht.

Nicht auszuschließen ist, dass die gemeinschaftlich entwickelten Open Source-Dienste der proprietären Software anderer Anbieter Konkurrenz machen. Diese können die Open Source-Dienste jedoch nutzen, um ihre eigene Software zu erweitern und zu verbessern.

Nutzen­perspektive 3

Vernetzung von Plattformen

Nicht nur Dienste anbieten, sondern auch Plattformen betreiben

Die vollständige Umsetzung der Silicon Economy liegt im Neben- und Miteinander unterschiedlicher Plattformen. In dieser Silicon Economy können Unternehmen nicht nur Anbieter von Diensten, sondern Betreiber von Plattformen sein. Der Betrieb von Diensten erfordert regelmäßig eine geeignete Umgebung – ob in der IT eines Unternehmens oder in der Cloud. Eine solche Umgebung ist die Plattform, das »Zuhause« eines jeden Diensts. Deshalb werden in der Silicon Economy neben den Fachkomponenten auch Plattformkomponenten entwickelt (allerdings keine vollständigen Plattformen!). Mit diesen Komponenten soll die Konnektivität zwischen Plattformen hergestellt werden. Dabei geht es zum einen um die Abfrage, welche Silicon Economy-Dienste auf einer Plattform für eine Nutzung bereitstehen und zum anderen um die Nutzung dieser Dienste selbst. Dazu werden die Plattformen über den sicheren Datenraum IDS (International Data Spaces) miteinander vernetzt und die Identifikation und Authentifizierung von Unternehmen sichergestellt.

Zu den Plattformkomponenten gehören:

Logistics Broker

IoT-Broker und Blockchain Broker

IDS Connector

Der Vorteil bei der Nutzung der Broker zum Aufbau von Plattformen besteht darin, dass ein Unternehmen die Entscheidung, welche Technologien es nutzt, nicht selbst treffen muss bzw. sich auch nicht mit anderen Teilnehmern der Supply Chain darüber abstimmen muss, die möglicherweise eine andere Technologie favorisieren oder einsetzen. Durch das Zusammenspiel der Broker lassen sich bestehende Plattformen ergänzen oder neue Plattformen einfach erstellen, sodass Dienste gemeinsam genutzt werden können.

Durch den Betrieb und die Nutzung der Silicon Economy-Dienste auf unterschiedlichsten, teilweise vernetzten Plattformen entsteht so die Zielvision der Silicon Economy – ein Ökosystem aus föderalen Plattformen.

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